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Chronik


1. Lausnitz - Lage des Ortes:
Lausnitz, ein ausgeprägtes Runddorf mit einer Linde auf dem Platze mitten im Orte, mit einer Kirche, einer selbständigen Schule (nach Birkigt eingeschult) liegt an einem Quellbächlein der Kotschau, 8 km westlich von Pößneck, 10 km östlich von Saalfeld, 3 km nordöstlich von Könitz und 1 km südlich vor der Vorderen Heide. 1545 wird der Ort als Lausenitz, später Laußnitz, herkommend von dem slawischen Wort "Lausenz", das heißt "Sumpfdorf", genannt. Am 1.4.1939 hatte das Dorf 138 Einwohner. Es liegt 295 m über dem Meere.

2. Der trockene Orlagau:
Der Landstrich, in dem der Ort Lausnitz liegt, heißt der trockene Orlagau. Dieser Landstrich gehört zu den frühesten besiedelten Gegenden Thüringens und Deutschlands. Hier tauchen bald nach der Eiszeit Menschen auf. Diese Steinzeitmenschen saßen besonders dicht bei Krölpa und Pößneck, also im Talgrunde, allerdings sollen auch schon vereinzelte Wohnstätten auf dem Höhenzug zwischen dem trockenen Orlagau und dem Saaletal bestanden haben. (Siehe Funde bei Hummelshain und Burkersdorf).
Für die nachfolgende Bronzezeit (2000-500 v. Chr.) beweisen die Funde die gleiche Verteilung menschlicher Wohnsitze. Die damaligen Bewohner waren ursprünglich ein nordisches Volk mit hoher Kultur. Sie waren vorzügliche Metallarbeiter, Meister in der Herstellung des Glases und irdener Gefäße. Später traten hier von Osten her kommend die Germanen auf und drängten die Kelten nach Süden über das Gebirge zurück.
Von den Germanen sind keine Merkmale im Lande zurückgelassen worden. Sie verbrannten ihre Toten, weshalb wir wenig von ihren Waffen, Werkzeugen und Schmuckstücken finden, höchsten verbrannte Knochen und geschmolzene Metallteile. Solche Spuren aber verschwanden bald unter dem Einflusse von fremden Rassen, denen das ganze östliche Germanien bis nach Thüringen zur Beute fiel.
Nach dem Zusammenbruch des Thüringerreiches, etwa 600 nach Chr. stellten sich aus dem Osten slawische Völker ein, z. B. die Sorben, die die fruchtbare Niederung des Orlalandes besetzten und hierher allerlei sorbische Namen brachten, z. B. Sorbitz, Loquitz, Sormitz. Die Sorben machten den wesentlichen Bestandteil der Bevölkerung aus und waren die Herren des Orlagaues, so dass sich hier in der Folge ein slawischer Rundling (Runddorf) an den anderen reihte.
Die Slawen fielen bald in einen Zustand politischer Ohnmacht und gerieten mehr und mehr unter deutschen Einfluss, der nunmehr in wirtschaftlicher Beziehung zu einem Aufschwung ihres Ackerbaues und zu einer Scheidung des Volkes in Adlige und eine Masse höriger Bauern führte.
Die Anfänge deutscher Herrschaft im Orlagau reichen mindestens bis in die Mitte des 9. Jahrhunderts zurück. Im Mittelpunkt des Gebietes entsteht an der Saale eine Grenzfeste mit einer kaiserlichen Domäne, die Ende des 9. Jahrhunderts an den Markgrafen Popo ausgeliehen worden ist (Municipium Salavelda). Kaiser Heinrich I befestigte den Platz von Neuem und aus dieser Zeit stammt der "Hohe Schwarm" in Saalfeld. Das Orlaland, das schon in slawischer Zeit auf Grund seiner in sich abgeschlossenen Lage Sitz eines kleinen sorbischen Stammes eine Verwaltungseinheit gewesen war, galt als Reichsgut und wurde von Saalfeld aus beherrscht und verwaltet. Dies mochte verschiedene Ursachen haben: Saalfeld erfreute sich einer schönen Lage und einer geräumigen, zur Aufnahme von Gästen geeigneten Burg; in der Nähe befanden sich gute Jagdgründe, die einen weidmännisch gesinnten Fürsten anlockten; dazu kam die günstige Verkehrslage von Saalfeld.
Der Orlagau wurde ein bevorzugtes Hausgut der Ludolfingischen Familie und blieb bis auf den letzten Sachsenkaiser Heinrich II in deren Besitz. Kirchlich war der Orlagau der Erzdiödese Mainz unterstellt. In den nachfolgenden Jahren kam der Orlagau auch in private Hände, indem im Jahre 1014 Kaiser Heinrich II sein Reichsgut Saalfeld ("provincia Saalfeld) dem Pfalzgrafen Ezzo von Lothringen schenkte. Nach dessem Tode war seine Tochter, die bekannte Richeza, die nach ihrer Flucht aus Polen ihr weiteres Leben in Saalfeld verbrachte, Besitzerin des Orlagaues.
Diese aber schenkte im Jahre 1056 ihre thüringischen Besitzungen dem Erzbischof Anno II von Köln. Später soll Kaiser Friedrich I die Stadt Saalfeld mit den Burgen Ranis und Könitz nebst den umliegenden Dörfern erworben haben.
Noch später kam Saalfeld in verschiedene Hände, so im Jahre 1208 an die Grafen von Schwarzburg ( bis 1389) und dann an das Haus Meißen. Im Jahre 1485 kam dann der Orlagau an die Ernestinische Linie. 1572 fiel Saalfeld an Weimar und Pößneck an Coburg; 1603 kam Saalfeld an die altenburgische Linie, 1638 auch Pößneck. 1672 fiel der Orlagau an Herzog Ernst den Frommen von Gotha, dessen 7. Sohn, Johann Ernst, 1680 die Saalfelder Linie stiftete, die 1745 an Herzog Franz Josias zu Coburg am 15. November und 1826 an Herzog Bernhard II von Meinigen vererbt wurde.
Am 20. September 1866 übertrug Herzog Bernhard II. (genannt Bernhard, Erich Freund) die Regierung an seinen Sohn, Herzog Georg II. von Sachsen/Meinigen. Nach dessen Tod übernahm sein Sohn, der damalige Erbprinz Bernhard, die Regierung, die dieser durch die Umgestaltung der politischen Verhältnisse in Deutschland durch die Revolution von 1918 niederlegen mußte.
Das ehemalige Herzogtum Sachsen/Meinigen, sowie die Kleinstaaten Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen/Gotha, Sachsen/Altenburg, Schwarzburg/Rudolstadt, Schwarzburg/Sondershausen und die beiden Reuß, ältere und jüngere Linie, wurden zu einem Staate, der Republik Thüringen zusammengeschlossen.
Die eigentliche Kolonisation, die vollständige Durchdringung des Landes mit deutscher Art erfolgte stärker seit dem 11. Jahrhundert im Rahmen der aufsteigenden wirtschaftlichen Bewegung, die sich im Deutschen Volke bemerkbar machte. Der deutsche Bauer trat um jene Zeit seinen Siegeszug an. Der Landhunger der überschüssigen Bevölkerung wollte befriedigt sein und man rodete die bisher unbebauten, oder mit Wald bedeckten Landstrecken und gab dem Landmann auf diese Weise Ackerboden.
Im Orlagau erschien es den Grundherren aus wirtschaftlichen Gründen vorteilhaft, deutsche Bauern herbeizuziehen und ihnen Land anzuweisen, um die Erträgnisse ihrer Besitzungen zu steigern. Es entstanden zu jener Zeit der Zehnt und die Einteilung der Dörfer nach "Hufen". Allem Anschein nach war der trockene Orlagau dasjenige Gebiet, wo die planmäßige Ansiedlung deutscher Bauern auf ehemaligem Waldboden zuerst betrieben wurde und es entstanden Gründungen von rein deutschen Rodedörfern. Überall wurden Lichtungen in die Forsten geschlagen, ausgedehnte deutsche Straßendörfer wanden sich in den engen Tälern hinauf (Langenschade, Reichenbach, Friedebach). Über das bei den Dorfgründungen eingeschlagene Verfahren lässt sich für den Orlagau nichts Tatsächliches berichten, da Ansiedlungsverträge oder ähnliches nicht vorhanden sind.
In der Regel pflegte der Grundherr einen Unternehmer mit der Einrichtung eines neuen Dorfes zu betreuen, der dann die Hufen ausmaß und einige von diesen abgabefrei mit dem Schulzen oder Richteramt als erbliches Lehen erhielt. Die Bauern waren persönlich frei und ihr Besitz war erblich. Einen Kaufpreis zahlten die Kolonisten nicht, vielmehr leisteten sie ihn in Form des jährlichen Zinses, der ihnen in den ersten Jahren zur Erleichterung erlassen wurde.
Auch die Kirche bemühte sich von den Bauern, womöglich den vollen Zehnten der Ernte zu erlangen, sie musste sich aber im Orlagau mit einem Pauschalsatz von 2 Scheffeln begnügen.

3. Geologie
Der kleine oder trockene Orlagau ist ein freundlicher, schöner, breiter, am Fuße der vorderen, wellenförmigen und waldeinsamen Heide gelegener, muldenförmiger Landstrich. Die geologische Entwicklung des Flurgebietes unseres Ortes hängt mit der Entwicklung Thüringens eng zusammen. Zu der Zeit, als die Abtragung der mitteldeutschen Alpen erfolgte, war Thüringen bereits Festland. Während der folgenden "Rotliegenden Periode" war Thüringen noch nicht vom Meere überflutet und es herrschte hier Tropenklima. Es folgten nun vulkanische Tätigkeiten in Thüringen.
Nach diesen bedeckten die Fluten des permischen Meeres wiederholt auch Thüringen und zwar bis zum Ende des geologischen Mittelalters. Die Niederschläge dieser Fluten hat man als Zechstein, Trias, Jura und Kreideschicht bezeichnet. Zur Triasgruppe gehört auch die Bundsandsteinformation.
Zu Beginn der Tertiärzeit war Thüringen noch ein gleichförmiges Hochland und es erfolgte nun in dieser Zeit die Hebung des Thüringer Waldes. Durch spätere Fluten "Atmosphärilien" usw. wurde auch dieser um die mehr als die Hälfte abgetragen. Auch in hiesiger Gegend verschwanden alle auf dem Bundsandstein folgenden Formationen. Die jetzige Gestalt erhielt unsere Gegend während der Diluvialzeit und zwar durch die Orla, die damals bei Saalfeld in die Saale mündete. Erst im älteren Alluvium, nach der Bildung unserer Wasserscheide, musste sich die Orla einen neuen Weg, ihren jetzigen Lauf, suchen und mündete nunmehr bei Orlamünde in die Saale.
Unsere Flur liegt in der Buntsteinformation, die an der Südgrenze der Flur ausstreicht. Es findet sich der "Untere Buntsandstein" mit seinen 3 Zonen und an der Nordgrenze, auf der Heide, der "Mittlere Buntsandstein". Die Zonen lagern regelmäßig übereinander und streichen von Norden nach Süden. Zwischen der Heide ist etwas "Jüngeres Alluvium" (Lehm und Schotte) abgelagert; an der Südgrenze aber streicht vom "Oberen Zechstein" ein Streifen Plattendolomit und "Oberer Letten" herein.

4. Die Geschichte von Lausnitz
Über die Gründung von Lausnitz konnte nichts Besonderes in Erfahrung gebracht werden. Es wird behauptet, dass da, wo heute Lausnitz steht, ein Sumpf gewesen sei, (luze = Sumpf). Später soll eine Kirche und hierauf von Töpfern ein Dörfchen gebaut worden sein (Töpfersdorf), Lage und Bauart lassen annehmen, dass der Ort wendischen Ursprungs ist.
Die Schule: Lausnitz hat keine Schule und ist nach Birkigt eingeschult. Es trägt die entstehenden Schullasten zu einem Drittel, hat aber in demselben Verhältnis auch Anrecht auf das Schulvermögen. Die Schülerzahl von Lausnitz betrugt meist 1/3 von der Gesamtschülerzahl der Schule Birkigt. Über die hiesigen Schulverhältnisse vor 1700 ist aus den Gemeinde- oder Kirchenrechnungen Wichtiges nicht zu ermitteln.
Das 1. Schulhaus, von dem in den Akten über Ausgaben für Reparaturen geschrieben steht, stand im unteren Teil des Dorfes, wo sich jetzt das Döpelsche Haus befindet. Im Jahre 1765 wurde dasselbe gegen das Hirtenhaus vertauscht und als Hirtenhaus benutzt. Das alte Hirtenhaus kam zum Abbruch und auf dem grunde desselben wurde ein Schulhaus errichtet. Dieses Schulhaus ist das Haus, in dem heute Hermann Reiß wohnt.
Schon 1834 wird über die Unzweckmäßigkeit, Unzulänglichkeit und Feuchtigkeit dieses Schulhauses geklagt und allerlei Umbauten und Reparaturen machten sich in der Folgezeit nötig. Zum Schulanwesen gehörten noch eine halbe Scheune und ein Gemüsegarten. Bis zum Jahre 1902 war dieses Haus als Schulhaus in Benutzung.
Im Jahre 1901 erfolgte der Ankauf des Birkigter Pfarrhauses mit Nebengebäuden und Garten zu einer Lehrerwohnung, während der Lehrsaal und Lehrmittelzimmer angebaut wurden; die alte Schule aber wurde in öffentlicher Versteigerung an den Bergmann Karl Reiß von hier verkauft, als Wohn- und Wirtschaftshaus.
Am 03. Juni 1902 konnte der damalige Lehrer Ernst Eyring in die hergerichtete und umgebaute Lehrerwohnung einziehen. Die Einweihung des Schulsaales aber erfolgte erst am 13. Juli 1902. Der Ankaufspreis dieses damaligen Pfarrgrundstückes betrug 2.600 Mark. Die Bau- und Umbaukosten, inkl. Beschaffung von allerlei Schulmöbeln und dergleichen, beliefen sich auf 8.900 Mark, so dass also für die neue Schule rund 11.500 Mark aufgewendet wurden mussten. Nach Abzug eines Staatszuschusses von 1.500 Mark und des Erlöses von 4.200 Mark für die alte Schule, verblieben für die beiden beteiligten Gemeinden Birkigt und Lausnitz, 5.800 Mark zu decken. Dieser Betrag wurde bei der städtischen Sparkasse in Saalfeld geliehen und bis heute abgetragen. Die Versicherungssumme für unser Schulhaus beträgt zur zeit 15.659,00 Mark.
Zur hiesigen Schulstelle gehören noch 0,7340 ha Feld und 0,2620 ha Wiese, die in den "Lausnitzer Wegeäckern" und in der "Schlinge" liegen und an die Lausnitzer Flur anstoßen. Aus alten Akten konnte entnommen werden, dass im Jahre 1798 ein Kammerherr von Gleichen (Rußwurm in Rudolstadt), der damalige Besitzer des hiesigen Rittergutes, der hiesigen Schule als besondere Besoldungszulage 1 Acker Feld auf ewige Zeiten schenkte.
Ein anderer Kammerherr von Gleiche-Rußwurm zu Regensburg, Mitbesitzer des hiesigen Rittergutes, bedachte die hiesige Schule mit einem Lagete von 1.000 fx (den Speziestaler zu 35 Groschen) mit der Bestimmung, dass der Lehrer von den Zinsen 5 % 45 fx, der Schule aber zur Beschaffung von Tinte, Papier und Tafeln für arme Kinder und für Brezeln bei der Schulprüfung 5 fx zufallen sollte. War jedoch von den vorhergegangenen Lehrern eine Witwe vorhanden, so waren an diese 15 fx und an den Lehrer nur 30 fx abzugewähren. Im jahre 1836 aber fiel der Zinsfuss von 5 % auf 4 %, so dass der Lehrer eine Einbusse von 10 fx erlitt.
Die früheren Lehrer, die meist nur im Nebenberufe als Lehrer tätig waren, bekamen nur geringe Entlohnung für ihre Arbeiten. So wird in alten Schriftstücken die Besoldung eines Lehrersgehilfen, der dem Lehrer Schmidt hier beigegeben war, mit "60 alten Schock" aufgeführt.
Im Jahre 1836 erhielt der damalige Lehrer 203 fx 26 1/2 kr. Im Jahre 1844 erhielt der damalige Lehrer 250 fx - 3 1/2 kr. Im Jahre 1875 erhielt der damalige Lehrer 900 Mark + 200 Mark für Kirchendienst und 21,00 Mark für Fortbildungsschule. Die oben angeführten Entlohnungen der Lehrer verstehen sich einschließlich der Kirchendienstbesoldung und des Anschlagwertes für die Wohnung, des Hausgärtchens, des Schulfeldes, der Schulwiese und des anzuliefernden Brennmaterials.
Auch die Besoldungsdesignation von 1875 enthält noch den Anschlag der Dienstwohnung, doch sind durch das Volksschulgesetz von 1875 bereits 6 Alterszulagen in Höhe von 70, 100, 150, 200 und 300 M festgelegt worden. Erst spätere Besoldungsgesetzte bestimmen, dass dem Lehrer neben seiner Besoldung freie Dienstwohnung zu gewähren sei. Über die späteren Besoldungssätze geben die in den Gemeinden aufbewahrten Gesetzblätter ausführliche Auskunft. Dazu kann gesagt werden, dass die Lehrergehälter zu keiner Zeit ausreichen waren, daher seit vielen Jahren der ungeheure Lehrermangel, der noch nie so groß war wie zur Zeit, als diese Chronik geschrieben worden ist. Nur eine ausreichende Besoldung der Lehrer ist in der Lage, dem Lehrermangel abzuhelfen.

5. Die Lehrer von Birkigt-Lausnitz
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde in verschiedenen Kirchenakten Lehrer Triller genannt. Er war Birkigter Bauerngutsbesitzer, der wohl in seinem Bauernhause wohnte, aber im Schulgebäude Unterricht erteilte. Er ist 1761 verstorben.
Ihm folgte ein gewisser Lorenz, ein Schneidermeister aus Wallendorf bei Gräfenthal, der 1768 verstarb. In demselben Jahre wurde die Stelle einem Bürger und Schumachermeister aus Pößneck, namens Johann Georg Schmidt, übertragen, dem als Gehilfe ein gewisser Kleingünther aus Oberwirbach beigegeben wurde Die Besoldung dieses Gehilfen, die 60 alte Schock betrug, trug zum Teil der Rittergutsbesitzer Kammerherr von Gleiche- Rußwurm, teils die Gemeinde, teils wurde sie aus den Erträgnissen der Kirchengrundstücke bestritten. Nachdem der genannte Gehilfe die Stelle von Michaelis 1796 bis Ostern 1797 inne hatte, beschloss der Kammerherr von Gleichen-Rußwurm, den Gehilfen in einem Lehrerinstitute für seinen Beruf besser ausbilden zu lassen. Man übertrug daher diese Stelle einstweilig einem anderen jungen Manne, dem Philipp Heitschel aus Römhild.
Da aber Kleingünther infolge eines Fehltrittes auf die Gehilfenstelle verzichten musste, beschloss der Patron, genannten Heitschel, zu substituieren, wozu auch 1798 vom Herzoglichen Konsistorium zu Altenburg, das den Heitschel geprüft hatte, die Genehmigung erteilt wurde. Der Lehrersenior Schmidt starb 1809. Nunmehr wurde der bisherige "Substitut" am 06. Januar 1810 als festangestellter "Schullehrer" eingeführt. Heitschel bekleidete die hiesige Schulstelle fast 35 Jahre lang, bis er am 08. Dezember 1831 im 63. Lebensjahre verstarb.

In den ersten Monaten des Jahres 1832 übertrug die Herzogliche Ephorie zu Saalfeld die hiesige Schulstelle einstweilig dem Saalfelder "Lycristen" Kreuzer aus Unterwirbach. Da dieser jedoch schon Ostern darauf an das Hildburghausener Seminar abging und es an tauglichen Lehrkräften fehlte, so blieb die Stelle bis zum 12. Juli desselben Jahres unbesetzt.
An diesem Tage übertrug das Herzogliche Konsistorium zu Hildburghausen dem bis dahin in Gräfenthal provisorisch angestellt gewesenen Kantor und Elementarlehrer Johann Georg Nikolaus Nichterlein die hiesige Schulstelle. Er starb im Jahre 1868.
Ihm folge Ostern desselben Jahres der Lehrer Eduard Heusinger. Er stammte aus Holzhausen bei Heldburg, besuchte von Oster 1850 bis 1853 das Herzogliche Lehrerseminar in Hildbuirghausen. Nach seiner Abgangsprüfung kam er als Lehrer an die Alexandrinenschule zu Coburg, wo er bis 1854 verblieb. Von 1854 - 1857 war er Hauslehrer in Deutschdorf bei Schweinfurt. Dann kam er als Vikar nach Stepfershausen bei Meinigen und am 1. März 1958 wurde ihm die Schulstelle in Reichenbach bei Saalfeld übertragen wo er bis Oster 1868 verblieb. Nunmehr kam er als Lehrer nach Birkigt. Im Jahre 1898 ließ sich Heusinger nach 30m-jähriger Tätigkeit an der hiesigen Schule pensionieren und verzog nach Unterwellenborn. Im hohen Alter von über 80 Jahren starb er.
Am 11. April 1898 trat Lehrer Ernst Eyring aus Roth bei Hildburghausen die hiesige Schulstelle an, nachdem er 13 Jahre lang, von 1885 - 1898 an der Bürgerschule zu Gräfenthal gewirkt hatte. Schon am 01. April 1914 starb Ernst Eyring an einer hartnäckigen Magenerkrankung. Sein Nachfolger war der Schulamtskendidet Bauß, aus Sonneberg stammend, der bis 30. Juli 1914 die hiesige Schulstelle vikarisch verwaltete.
Am 01. August 1914, mit Beginn des großen Weltkrieges, wurde der Lehrer Günther Amm, Verfasser dieser Chronik, von Hindfeld bei Römhild, an die Schule zu Birkigt versetzt. Er war am 27. August 1880 in Riechheim geboren, besuchte von 1896 - 1900 das Seminar zu Hildburghausen, war Lehrer in Friedebach bis 16. August 1900, in Schmiedefeld bis 1. November 1904 und in Hindfeld bis 30. Juli 1914. Im April 1915 wurde er als Kriegsteilnehmer zum Fußartillerie-Regiment 18 nach Mainz, später nach Metz eingezogen. Im Juli 1928 wurde er zum Oberlehrer befördert und erhielt im Jahr 1939 vom Führer und Kanzler des Großdeutschen Reiches, Adolf Hitler, das goldene Treudienstehrenkreuz verliehen.
Neben seinem Lehrerberuf war Günther Amm lange Zeit Rechner des hiesigen Spar- und Darlehensvereins, fast 20 Jahre lang Unterverbandsdirektor der 40 Raiffeisenvereine des Kreises Saalfeld, ebenso lang Gruppenführer der 15 Gesangsvereine der Sängergruppe vor der Heide, langjähriges Gemeinderatsmitglied von Birkigt, Kreissachbearbeiter für Landschuldfragen.

6. Die Kirche von Lausnitz
Im Nordosten des Dorfes auf ummauerten Friedhofe, steht die Kirche mit dem Gedenkstein für die gefallenen Helden im Weltkriege 1914 - 1918. nach Lehfeld soll bereits in Lausnitz schon vor der Reformation eine Kirche gestanden haben. Die jetzige Kirche aber wurde 1724-1725 (diese Jahreszahl in dem Querstein über der Eingangstür) erbaut und am 6. November 1725 eingeweiht. In einer vom damaligen Lehrer Johann Adam Triller niedergeschriebenen Chronik heißt es: Anno 1725, am 06. November 1725 ist die neue Kirche zu Lausnitz eingeweiht worden und zugleich Herr David heinrich Helm, Hochfürstlicher Saalfelder Kellerschreiber mit Jungfer Juliane Wilhelmine Kalbfleischen aus Saalfeld zum 1. male copoliert worden, desgleichen ist Hans Heinrich Würfel (Wiefel) sein Kind durch die Paten wieder in die Kirche getragen und eingesegnet worden.
Die Kirche weist keinen besonderen Baustil auf. Der Grundriss bildet ein Rechteck. Auf dem massiven Unterbau ruht ein Mansardendach mit einem Kirchturm auf der westlichen Giebelseite. Die Orgel wurde wohl 1877 beschafft, nachdem in den Jahren vorher das Chor erweitert und das Kirchendach gründlich repariert worden ist, für 3.360 Reichsmark.
Eine weitere Kirchenerneuerung fand im Jahr 1900 statt. Eine Kirchenuhr trägt die Kirche nicht. Im Jahre 1917 musste Lausnitz eine seiner Bronzeglocken zu Kriegszwecken abgeben, doch im Jahre 1923 kaufte der Schreiber dieser Chronik mit dem damaligen Schulzen Beck von Lausnitz in Altenfeld auf dem Thüringer Wald wieder ein zweites Glöckchen für den Preis von 18.000 Mark (Inflation). Auch die Orgelpfeifen aus Zinn waren im Weltkriege herausgenommen und für Kriegszwecke verwendet worden. Auch sie wurden wieder vom Orgelbauer Kühn in Schmiedefeld ersetzt. In der Westseite der Kirche befindet sich ein Herrenstand. Im Turme der Kirche befinden sich 2 Bronzeglocken, die 1867 beschafft wurden. Auf der großen Glocke war zu lesen: 1867 - Heim, Pfarrer - Nichterlein Kantor. Auf der kleinen Glocke stand. Ehre sei Gott in der Höhe - 1867 -.
In der Kirche befinden sich 3 von einem Altarwerke stammenden Figuren, die aus 1500 stammen können. Sie stellen die Maria mit dem Kinde (stehend) und den heiligen Laurentius und Antonius dar. Die Köpfe der männlichen Heiligen sind gut, ihre Haltung natürlich, Maria und das Kind sind weniger gelungen; alle Hände sind plump, die Faltenwürfe der Kleider sind ohne Geschmack. In der Kirche zu Lausnitz, die bis 1835 eine Filiale von Krölpa ist und seitdem ein solches von Birkigt ist, findet in der Regel jeden 3. Sonntage, an jedem 2. hohen Festtage und an jedem 1. Sonntage nach den 3 hohen Festen Gottesdienst statt, der vom jeweiligen Pfarrer von Unterwellenborn abgehalten wird. Den Organistendienst versieht der jeweilige Lehrer von Birkigt. Nunmehr wurden die kirchlichen Geschäfte unseres Ortes von den jeweiligen Pfarrern von Unterwellenborn besorgt bis zum heutigen Tage.

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